Ali & Deran fahren in Richtung St. Pauli. Auch hier kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Ausschreitungen. Aber die Paulis wissen sich zu wehren. Ihre Methode ist zwar nicht so ausgefeilt wie die der Fabrik, aber ebenso wirkungsvoll.
Man beraumt kurzer Hand für 5 Uhr morgens eine Demo an. Damit sich die entsprechende Zielgruppe auch angesprochen fühlt, müssen Plakate her. Und auch ein Lockvogel. Wolfgang Petry geht immer (schöne Grüße an Astrid+Manni, Britt+Thomas).
Schnell bildet sich eine Traube vertrauter Grazien um das Plakat. "Wahnsinn, ich geh' für Petry durch die Hölle, Hölle, Hölle", "Wenn ich so was gemeines lese, da geht mir voll einer ab", "Der Himmel brennt, Pauli gleich auch" und "Unerhört, mein Wolle darf nich' mehr singen", sind nur einige Äußerungen unserer empörten Damen.
"Wolle, who the fuck is Wolle" fragt sich Ali und folgt dem sich aus blond toupierten Haaren, zu eng sitzenden Jackettchen, graumelierten Leggins und quer geschulterten Handtäschchen formierenden Marsch Richtung Hafenstraße. "Hoffentlich werden wir jetzt nicht enttarnt" flüstert Deran im Gemenge.
Die Falle schnappt zu
Uns empfängt eine in dunkles Rote getauchte Bühne, vor der sich schon allerlei Fräuleins versammelt haben.
Ein graues Etwas im Ausgehkostüm kreischt ins Mikrofon "... die wollen unseren Wolfgang nicht mehr singen lassen. Nicht mit uns. Wir rufen hier jetzt zur Demo auf. Es lebe Wolle, Wolle, Wolle ...".
Eine Gestalt bewegt sich hinterm Absperrgitter. Wild gestikulierend und nach Luft schnappend kreischt die angebliche Dame in die Beschallungsanlage: "Da ist einer von den Übeltätern. Schnappt ihn euch, er will uns unseren lieben Wolle verbieten".
"Schmeiß Steine" schreit einer ins Mikro. "Wir haben aber keine Steine" kommt es aus der Menge zurück. "Dann schmeißt irgend was". Schon fliegen die ersten Handtaschen durch die Luft. Während Ali & Deran in Deckung gehen, folgt ein einstündiges und ziemlich einseitiges Gefecht mit schwer beladenen "Schulterkoffern" und sonstigem Gedöns.
Erst als sich nichts mehr zum Werfen findet, beruhigt sich Mop. Die Bühne ist mittlerweile geräumt. Auch die Gestalt hinterm Zaun ist nicht mehr zu sehen. Langsam zerstreut sich die Menge und wir tauchen aus der Versenkung auf. Einige Kerle sind bereits mit dem Abtransport der Handtaschen beschäftigt. "Wo bringt ihr das Zeug den hin?" will Deran wissen. "Kommt mit" wird geantwortet. Machen wir und folgen einer vollen Schubkarre.
Feierliche Handtaschenverbrennung
In der Hafenstraße erwartet uns ein riesiges Feuer. Leute sind fleißig damit beschäftigt, Nachschub aus den Karren in die lodernde Pracht zu kippen.
Ail & Deran blicken sich fragend an. Von hinten sind Schritte zu hören. Wir drehen uns um und starren wie versteinert auf eine Weib im grauen Kostüm. Kurzzeitig gefriert unser Blut zu Eis. Doch dann ein Aufatmen. Die kennen wir doch, das ist doch unsere Bühnendame. "Was geht hier eigentlich ab" wollen wir jetzt endlich wissen. "Na was wohl, unsere feierliche Handtaschenverbrennung natürlich" kommt es als Antwort. Nun werden auch Ali & Deran zu Breitmaulfröschen.
Unter Gleichgesinnten
Höflich wird uns ein Platz am Feuer angeboten. Auf einem silbernem Tablett werden Handtaschen zum verheizen gereicht. Langsam graut der Morgen.
Doch noch eine ganze Weile sitzen wir gemütlich vorm Feuer, schmeißen ab und zu eine Täschchen hinein und singen "Eine geht noch, eine geht noch rein".
The End
last update : 11.11.2000
[Start]
[Ali & Deran]
[Handtaschen]
[Aktion]
[Galerie]
[Links]