Handtaschen

      Männer kommen in ihrer nonverbalen Kommunikation in der Regel mit zwei bis drei Grunzlauten aus. Das mag zwar nicht so gut und irisierend klingen, wie einer von etwa dreihundert möglichen trillernden Frauenkieksern, ist letzlich aber ergonomischer. Ganz genauso verhält es sich mit Taschen: Männer bringen das wenige, das sie mit sich herumtragen müssen in einer einzigen Tasche ihrer Jacke unter. Bei Frauen ist das ein klein wenig anders. Frauen haben nämlich alles in ihrer Handtasche. In dieser Handtasche steckt zumeist noch eine kleinere, in der wahrscheinlich eine noch kleinere steckt. So ähnlich, wie bei diesen russischen Holzpuppen. Genaugenommen sind die Handtaschen von Frauen eigentlich schwarze Löcher in Kleinausführung, die wirklich immense Mengen der unterschiedlichsten Materialien an- und aufzusaugen scheinen. Taschentücher, Haarbürsten, Kalender, Pillendöschen, Handy, Cremes, diverse Schals, Lippen-, Lid- und andere Stifte, Geldbeutel, Zuckerstückchen, Zigaretten und Theaterkarten sind dort genauso vertreten, wie Nagellack, diverses Obst, Ersatzhöschen, Kaugummis, Schmuck, einer Batterie Parfümflakons, Kekse, Puder, der U-Bahn-Plan von London, Reinigungs-, Einkaufs-, Bestell-, Passwort- oder Telefon-Zettel. Vergleichbare Mengen unterschiedlichster Dinge finden sich allenfalls noch im Hobbykeller eines Mannes, der seit mehreren Jahren ein maßstabsgerechtes Modell der Bismarck zusammenzubauen versucht. Es muß deswegen auch keinen mehr wundern, wenn mitten im Meeting bei der hektischen Suche nach einem Kugelschreiber, der auch schreibt, unversehens ein Tampon auf den Schreibtisch rollt, oder es an Geldautomat/ Supermarktkasse/ Parkhausautomat zu längeren Schlangenbildungen kommt, weil Frau in den Untiefen ihrer Tasche nach der Scheckkarte gräbt. Eine gewisse Dramatik lässt sich auch der berühmt/berüchtigten Szene nicht absprechen, wenn sich das Mädel vor der Wohnungstür wimmernd und auf der Stelle tretend (weil sie seit einer Stunde aufs Klo muß) auf der Suche nach dem Schlüssel quasi archäologisch durch die tieferen Schichten ihrer Handtasche fräst. Überhaupt Schlüssel! Manchmal drängt sich einem der Gedanke auf, als wären Auto-, Haus-, Büro- oder Schreibtischschlüssel nur zu dem einzigen Zweck erfunden worden, daß Frau sie in den unendlichen Weiten ihrer Handtasche verliert. Oder auch Feuerzeuge. Meine Freundin Edelgunde* (*Name von der Redaktion geändert) ist die nachweisbar einzige Frau, die die sagenhafte Menge von 34 Bic-Feuerzeugen in ihrer Handtasche mit sich herumträgt. Nicht etwa, weil sie die sammelt - die materialisieren einfach dort. Da ist es doch fast schon ein Segen zu nennen, daß neuerdings diese überaus geräumigen Rucksäcke so in Mode kommen, denn dort lassen sich dann mühelos noch ein oder zwei paar Schuhe unterbringen.

      - Aber dazu demnächst mehr an dieser Stelle.